Texte zur Trauer

Tröstliche Worte

Pusteblume

Der Schmerz in einer Trauerphase verweht nur langsam - tröstliche Worte helfen dabei, ihn zu ertragen.

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Biblischen und christlichen Autoren war die Erfahrung des Todes und der Trauer nicht fremd. In Gedichten und Gebeten sprechen sie davon. Hier finden Sie einige davon zusammengestellt.

Bibelworte:

Psalm 23
Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.


Johannes 14,19
Christus spricht: Ich lebe, und ihr sollt auch leben!


Jer 29,11
Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.


Röm 8, 38.39
Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.


Jes 38,17
Siehe, um Trost war mir sehr bange. Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen, dass sie nicht verdürbe.

Aus einem jüdischen Gebetbuch

Beim Aufgang der Sonne und bei ihrem Untergang erinnern wir uns an sie. Beim Wehen des Windes und in der Kälte des Winters erinnern wir uns an sie. Beim Öffnen der Knospen und in der Wärme des Sommers erinnern wir uns an sie. Beim Rauschen der Blätter und in der Schönheit des Herbstes erinnern wie uns an sie. Zu Beginn des Jahres und wenn das Jahr zu Ende geht, erinnern wir uns an sie. Wenn wir müde sind und Kraft brauchen, erinnern wir uns an sie. Wenn wir verloren sind und krank in unserem Herzen, erinnern wir uns an sie. Wenn wir Freude erleben, die wir gerne teilen würden, erinnern wir uns an sie. Solange wir leben, werden auch sie leben, denn sie sind ein Teil von uns, wenn wir uns an sie erinnern!

Quelle: "Tore des Gebets", ein reformiertes jüdisches Gebetbuch

Alter irischer Segen

Vergiss die Träume nicht, wenn die Nacht wieder über dich hereinbricht und die Dunkelheit dich wieder gefangen zu nehmen droht.

Noch ist nicht alles verloren. Deine Träume und deine Sehnsüchte tragen Bilder der Hoffnung in sich. Deine Seele weiß, dass in der Tiefe Heilung schlummert und bald in dir ein neuer Tag erwacht. Ich wünsche dir, dass du die Zeiten der Einsamkeit nicht als versäumtes Leben erfährst, sondern dass du beim Hineinhorchen in dich selbst noch Unerschlossenes in dir entdeckst. Ich wünsche dir, dass dich all das Unerfüllte in deine Leben nicht erdrückt, sondern dass du dankbar sein kannst für das, was dir an Schönem gelingt. Ich wünsch dir, dass all deine Traurigkeiten nicht vergeblich sind, sondern dass du aus der Berührung mit deinen Tiefe auch Freude wieder neu erleben kannst.

Aus Luthers Sermon von der Bereitung zum Sterben

Wenn so jedermann Abschied auf Erden gegeben ist, dann soll man sich allein zu Gott richten, wohin der Weg des Sterbens sich auch kehrt und uns führt.

Hier beginnt die enge Pforte, der schmale Steig zum Leben. Darauf muss sich ein jeder getrost gefasst machen. Denn er ist sehr wohl eng, er ist aber nicht lang. Und es geht hier zu, wie mit einem Kind aus der kleinen Wohnung in seiner Mutter Leib mit Gefahr und Ängsten geboren wird in diesen weiten Himmel und Erde, das ist unsere Welt: ebenso geht der Mensch durch die enge Pforte des Todes aus diesem Leben. Und, obwohl der Himmel und die Welt, darin wir jetzt leben, als groß und weit angesehen werden, so ist es doch alles gegen den zukünftigen Himmel so viel enger und kleiner, wie es der Mutterleib gegen den Himmel ist.. Aber der enge Gang des Todes macht, dass uns dies Leben weit und jener eng dünkt. Darum muss man das glauben und an der leiblichen Geburt eines Kindes lernen. So muss man sich auch im Sterben auf die Angst gefasst machen und wissen, dass danach ein großer Raum und große Freude sein wird.

Aus einem Brief Wolfgang Amadeus Mozarts an seinen Vater

Das der Tod ( um genau zu sein ) der wahre Endzweck unseres Lebens ist, habe ich es mir in den letzten Jahren angelegt sein lassen, diesen wahren, diesen besten Freund des Menschen so gut kennenzulernen, dass der Gedanke an ihn für mich nicht nur keinen Schrecken enthält, sondern mir großen Trost und Frieden des Geistes bringt. Ich danke Gott, dass er mir das Glück und die Gelegenheit geschenkt hat, den Tod als Schlüssel zu unserem wahren Glück zu erkennen. Ich gehe nie ins Bett, ohne darüber nachzudenken, dass ich vielleicht, so jung wie ich bin, am nächsten Tag nicht mehr leben werde. Und doch wird niemand, der mich kennt, sagen können, ich sei im Ursprung mürrisch oder traurig. Für dieses Glück danke ich jeden Tag meinen Schöpfer und von ganzem Herzen wünsche ich dieses Glück all meinen Mitmenschen.

(geschrieben am 04.04.1778 im Alter von 31 Jahren)

Wenn etwas uns fortgenommen wird …(Rainer Maria Rilke)

Wenn etwas uns fortgenommen wird, womit wir tief und wunderbar zusammenhängen, so ist viel von uns selber mit fortgenommen.

Gott aber will, dass wir uns wiederfinden, reicher um alles Verlorene und vermehrt um jenen unendlichen Schmerz.

Gedanken von Dietrich Bonhoeffer

Es gibt nichts, was uns die Abwesenheit eines lieben Menschen ersetzen kann, und man soll es auch gar nicht versuchen; man muss es einfach aushalten und durchhalten; das klingt zunächst sehr hart, aber es ist doch zugleich ein großer Trost; denn indem die Lücke unausgefüllt bleibt, bleibt man durch sie miteinander verbunden. Es ist verkehrt, wenn man sagt, Gott füllt diese Lücke aus; er füllt sie gar nicht aus, sondern er hält sie vielmehr unausgefüllt, und hilft dadurch, unsere echte Gemeinschaft miteinander - wenn auch unter Schmerzen - zu bewahren.

Wenn ich tot bin… (Joachim Ringelnatz)

Der du meine Wege mit mir gehst, Jede Laune meiner Wimper spürst, meine Schlechtigkeiten duldest und verstehst - Weißt du wohl, wie heiß du mich oft rührst? Wenn ich tot bin, darfst du gar nicht trauern. Meine Liebe wird mich überdauern und in fremden Kleidern dir begegnen. Und dich segnen. Lebe, lache gut! Mache deine Sache gut!


27.05.2014 / Anne Lüters