Hilfe bei Fehl- und Totgeburt

Ein Engel an der leeren Wiege

Engelstatue

Jedem toten Kind steht ein kleiner Engel an der Wiege, der es bewacht

Bild: iStockPhoto / MJSdesigns

Alle freuen sich auf das Neugeborene, doch dann bleibt die Wiege leer. Monatelang wächst ein Kind heran, dann bleiben die Herztöne aus. All die Hoffnungen und Träume laufen ins Leere.

Ob in der 21. oder in der 30. Schwangerschaftswoche - wenn Kinder sterben, bevor sie geboren werden, ist der Verlust für die Eltern riesengroß: Die erhoffte gemeinsame Zukunft bricht ab, bevor sie noch beginnen kann, die Tochter, der Sohn, vielleicht schon beim Namen genannt, bleibt unbekannt. Oft sind die Eltern tief verunsichert oder fühlen sich minderwertig. Andere berichten von einer Leere, die monatelang nicht vergeht.

Erinnerungen schaffen

So schwer es ist, Abschied von einem früh verstorbenen Kind zu nehmen, so wichtig ist es doch, gleich bei der Geburt Schritte zu gehen, die die Trauer erleichtern. Heute sind Kliniken meist darauf eingestellt: Sie ermöglichen es, die Kleinen, die oft nicht größer als eine Handfläche sind, zu sehen und sie zu berühren. Sie fotografieren die Kinder, bewahren eine Locke auf oder nehmen ihm einen Hand- oder Fußabdruck ab. Dies sind wichtige Zeichen dort, wo es fast keine Erinnerung gibt. Vielen tut es gut, das tote Kind beim Namen zu nennen, war es doch eine kleine Person mit großer Bedeutung für seine Eltern.

Moseskörbchen

Moseskörbchen,© iStockPhoto / MargoJH

Wie kann man Eltern ihr tot geborenes Kind übergeben? Ein Moseskörbchen aus Weiden, in das das in ein Tuch gehüllte Kind gelegt wird, hilft Geburtshelfern und Ärztinnen bei dieser schweren Aufgabe und gibt Eltern die Gelegenheit, sich langsam an ihren Sohn, ihre Tochter heranzutasten. Hier steht das Motiv des Behütens und Beschützens im Vordergrund. Bis zur Sarglegung kann das Kind in dem Körbchen aufgebahrt sein.

Namensgebung

Geburtsurkunde,© iStockPhoto / typo-graphics

Durch die Namensgebung wird ein Mensch in seiner Individualität anerkannt. Auch für den Trauerprozess hat die Namensgebung Bedeutung. Die Verbindung der Namensnennung mit dem Segnen des toten Kindes bringt den Glauben an die Auferstehung zum Ausdruck: Das Kind ist dem Leben schaffenden Handeln Gottes übereignet. Eine solche Namensgebungs- oder Segensfeier wird im kirchlichen Amtshandlungsregister vermerkt. Manchmal erhalten die Eltern auch eine Urkunde darüber.

Elternmappen

Fußabdrücke eines Babys,© iStockPhoto / manley099

Im Englischen „mementoes“ genannt, haben diese Mappen den Sinn, die wenigen Erinnerungsstücke (Fotos mit und ohne Eltern, Hand- und Fußabdrücke, Namensbändchen, Namensblatt mit den Daten des Kindes, Segensurkunde, Tuch, in dem das Kind eingewickelt war) an verstorbene Kinder gut verschlossen und nur wenigen Personen zugänglich aufzubewahren. Viele Krankenhäuser kümmern sich mittlerweile um die Anfertigung und Bewahrung solcher Erinnerungen. Selbst wenn Eltern im ersten Schock davon nichts wissen wollen, sind sie später oft dankbar für jedes kleine Indiz, das die Existenz ihres Kindes beweist.

Segnung oder Salbung des Kindes

Hand auf Babykopf,© iStockPhoto / yulkapopkova

Der Segen für das verstorbene Kind soll es dem Schutz Gottes anbefehlen und den Übergang von der Geburt zum Tod markieren. Im Segnungsritual finden die Eltern und Angehörigen Trost, dass ihr Kind nicht einfach ins Nichts geht, sondern die Verheißung der Auferstehung von den Toten auch ihm gilt. Ein Salbungsritus kann ein sinnlicher und liebevoller Ausdruck der Würdigung des kleinen Individuums sein: Auch dieses Kind ist denen, die um es wussten, und Gott lieb, teuer und wertvoll.

Familiensegen

Segnende Hände,© iStockPhoto / j-paul

Wie die Geburt eines Kindes die Lebenssituation einer ganzen Familie verändert, so betrifft in noch viel größerem Maß eine Fehl- oder Totgeburt Partnerschaft und Familie. Ein Familiensegen bestätigt, dass etwas Bedeutendes geschehen ist, das den weiteren Lebensweg verändert hat und spricht gerade in der neuen schweren Situation Gottes Gegenwart zu. Gerade weil es im Umfeld oft wenig Verständnis für die Trauersituation gibt, kann segnende Begleitung hilfreich sein.

Von Gottes Hand in Gottes Hand

Während Säuglinge, die vom Tod bedroht sind, eine Nottaufe erhalten, tauft die evangelische Kirche weder Kinder im Mutterleib noch fehl- und totgeborenen Kinder. Taufe hat keinen magischen Charakter. Gott, der nicht will, dass eines dieser Kleinen verloren geht, ist in seinem Erbarmen gerade auch den ungetauften Kindern nah, die nicht lebensfähig waren.

Klinikseelsorge oder Kirchengemeinde bieten Abschiedsrituale an. Bei Gebet, biblischem Zuspruch und Segnung erfahren Eltern und Angehörige: Das Kind bleibt in Gottes Hand.

Begleitung in der Trauer

Die Trauer um frühverstorbene Föten ist die Trauer um ein verlorenes Kind. Sie dauert lang. Oft stößt das in der Gesellschaft und im sozialen Umfeld der Eltern auf wenig Verständnis. Umso wichtiger, dass es Gelegenheiten und Orte gibt, sich der toten Kinder zu erinnern.

Was manche nicht wissen: Auch schon Föten mit einem Geburtsgewicht unter 500 Gramm müssen beigesetzt werden - aus Respekt vor der Würde des kleinen menschlichen Lebens und aus Sensibilität für die Trauer der Eltern. Auch wenn eine individuelle Bestattung prinzipiell möglich wäre, ziehen viele Eltern eine Bestattung ihres Kindes auf einem Gräberfeld vor. Raum für Trauer bieten Selbsthilfegruppen, wie die Initiative Glücklose Schwangerschaft e.V. oder die Verwaisten Eltern. Auch Pfarrerinnen und Pfarrer vor Ort stehen gern für Gespräche zur Verfügung. In regelmäßigen Abständen werden vielerorts auch von Klinikseelsorgern oder Pfarrerinnen Gedenkgottesdienste für früh verstorbene Kinder angeboten.

Informationen zum Thema Gräberfelder

Gräberfelder

Trauer braucht Orte, an denen sie sich langsam in liebendes Gedenken wandeln kann. Dazu gibt es neben einem Einzelgrab auf vielen Friedhöfen Bayerns Grabfeder – Stätten der Ruhe und der Erinnerung an Kinder, die nicht leben durften oder deren Eltern sich nicht für sie entscheiden konnten. Die Regelung der Beisetzung variiert von Ort zu Ort: Mancherorts erfolgt die Bestattung der Föten öffentlich, auf anderen Friedhöfen in aller Stille durch die Friedhofsverwaltung. In beiden Fällen finden für die Angehörigen früh verstorbener Kinder regelmäßige Gedenk- und Trauerfeiern am Grab statt. Hier können betroffene Mütter, Väter und Großeltern gemeinsam von ihren Kindern Abschied nehmen.

Hier kann man im Kreis der Betroffenen die eigene Geschichte erzählen, seine Traurigkeit ausdrücken, den Namen des verstorbenen Kindes nennen und für es beten. Für Seelsorgerinnen und Seelsorger, Pflegekräfte und Interessierte hat die evangelisch-lutherische Landeskirche eine Handreichung mit theologischen und rechtlichen Informationen sowie Anregungen für seelsorgerliche Begleitung und Rituale herausgegeben. Die Broschüre „Ein Engel an der leeren Wiege“ kann bestellt werden beim Referat Seelsorge und Beratung im Landeskirchenamt unter der Email-Adresse seelsorge@elkb.de.

 


23.04.2014 / Anne Lüters