Wenn ein Kind stirbt

Mit dem Unfassbaren leben

Das Bild zeigt eine leere Schaukel

Wenn ein Kind stirbt bleibt die Lücke – ein Leben lang.

Bild: © Daniel Tiriba

Jeder Tod von Angehörigen bringt uns aus dem Tritt. Wenn aber Kinder ernsthaft krank sind oder gar sterben, dann ist das Leid ihrer Familien fast unerträglich.

Wie kann es sein, dass Eltern ihre Kinder überleben? Das kann nicht Gottes Willen sein! Schuldgefühle, Verzweiflung, Wut und quälende Fragen werden hier übermächtig. Bei allen anderen Belastungen kann auch der Glaube in eine tiefe Krise geraten. Es ist einfach nicht verständlich, warum Gott den Tod dieser Kleinen zulässt. Einfache Antworten darauf gibt es nicht.

Das Sterben eines Kindes ist für jede Familie eine Zerreißprobe. Da ist das todkranke Kind mit seinen Schmerzen, Fragen und Ängsten. Die Eltern kämpfen mit dem eigenen Leid, verbringen jede freie Minute am Bett des kranken Kindes und haben vielleicht auch noch andere Kinder zu Hause. Und da gibt es die Geschwister, die oft nicht verstehen, was in ihrer Familie geschieht, und die doch die Bedrohung spüren. Sie verlieren in dieser Zeit einen Bruder oder eine Schwester und müssen gleichzeitig miterleben, wie sich ihre Eltern verändern. Dazu kommt die eigene Trauer und Unsicherheit.

Literaturtipps

Anne Schneider / Nikolaus Schneider, Wenn das Leid, das wir tragen, den Weg uns weist.

Cover des Buches 'Wenn das Leid, das wir tragen, den Weg uns weist' von Anne Schneider und Nikolaus Schneider.,© Neukirchener Verlagsgesellschaft
Das Buch handelt von "Leben und Glauben mit dem Tod eines geliebten Menschen" und ist im Jahr 2012 in der vierten Auflage erschienen.

Mechthild Ritter, Wenn ein Kind stirbt.

Das Bild zeigt das Cover des Buches 'Wenn ein Kind stirbt' von Mechthild Ritter.,© Gütersloher Verlagshaus

Das Buch setzt sich mit Hilfe und Orientierung für Eltern, Geschwister und Begleitende auseinander. Erschienen 2011 in Gütersloh, ISBN: 978-3-579-06842-8.

Georg Schwikart, Aus der Tiefe.

Das Bild zeigt das Cover des Buches Georg Schwikart, Aus der Tiefe. Ein Trostbuch für verwaiste Eltern. Mit Audio-CD. ,© Gütersloher Verlagshaus

Bei dem Werk handelt es sich um ein Trostbuch für verwaiste Eltern. Mit Audio-CD. ISBN: 978-3-579-07300-2.

Dietrich Niethammer, Wenn ein Kind schwer krank ist.

Das Bild zeigt das Cover des Buches Dietrich Niethammer, Wenn ein Kind schwer krank ist: Über den Umgang mit der Wahrheit, Suhrkamp Verlag 2010.,© Verlag Suhrkamp / Insel

Der Autor berichtet "Über den Umgang mit der Wahrheit". Suhrkamp Verlag 2010.

Margarete Clasen, Trauersplitter.

Das Bild zeigt das Cover des Buches Margarete Clasen, Trauersplitter. Gedichte nach dem Tod meines Kindes.,© Hospiz Verlag

Das sehr persönliche Werk enthält "Gedichte nach dem Tod meines Kindes". Wuppertal.
ISBN: 3-981-1240-0-5

Hilfe von Freunden dringend gebraucht

Familien in einer derartig schweren Situation benötigen jede Stärkung. Sie sollten nicht zögern, die Hilfe von Klinik- oder Gemeindeseelsorgern sowie psychologische Unterstützung in Anspruch zu nehmen, aber auch die tatkräftige Hilfe von Nahestehenden, die kochen, im Haushalt helfen und ab und zu die anderen Kinder betreuen. Kollegen, Nachbarn und Freunde können hier durch behutsame Aufmerksamkeit lebenswichtig werden.

Todkranke Kinder spüren die Belastung, die ihr Sterben für ihre Familie darstellt. Sie machen sich Sorgen um ihre eigene Zukunft und um die Familie und meinen oft, ihre Eltern schützen zu müssen. Es ist wichtig, dies behutsam, aber offen anzusprechen. Sterbende Kinder haben oft ein tiefes Wissen um ihre Situation und sind dankbar für Ehrlichkeit und offen ausgedrückte Gefühle. Wo dies gelingt und möglichst auch die Geschwisterkinder altersgemäß einbezogen werden, kann die letzte gemeinsame Zeit rückblickend als schwere, aber bereichernde Zeit empfunden werden.

Hilfe in Anspruch nehmen

Die Trauer um ein Kind – ob sein Tod vorbereitet oder unvorbereitet kam – begleitet ein Leben lang. Vater und Mutter, Geschwister und Großeltern – jeder trauert auf seine Weise. Gerade das wird in der Beziehung als so belastend empfunden: dass der Partner nicht fähig ist, das eigene Leid mitzutragen, weil er selbst mit sich und seiner Trauer beschäftigt ist. Selbsthilfegruppen und Therapien helfen hier, sich und den anderen zu verstehen, miteinander zu sprechen und auch die Geschwister mit ihrer Trauer ernst zu nehmen.

Neben den engsten Verwandten sind auch die Freunde, der Kindergarten oder die Schule von dem Todesfall eines Kindes stark betroffen. Altersgemäße Rituale, ein Gedenkbuch, ein Raum der Stille und ehrliche Gespräche mit den Kindern geben der Trauer und dem Unverständnis über den Verlust Raum. Offen ausgedrückte Gefühle zeigen den Kindern, dass sie mit ihrer Traurigkeit nicht alleine stehen.


22.04.2014 / Anne Lüters