Die kirchliche Bestattung

Den Abschied würdig gestalten

Friedhof Haunsheim

Denkmalgeschützt und sehenswert: der Friedhof rund um die Dreifaltigkeitskirche in Haunsheim (Landkreis Dillingen an der Donau)

Bild: Axel Schmidt

Der Moment des Abschieds ist gekommen: Bei der Bestattung wird das Leben des Verstorbenen gewürdigt und in Gottes Hand gegeben.

Mit der Bestattung kommt die erste, unruhige Zeit nach einem Todesfall zu einem vorläufigen Ende. Alles, was zuvor mit Pfarrerin oder Pfarrer und Bestattungsinstitut besprochen wurde, wird hier zusammengeführt. Zu den persönlich eingeladenen Trauergästen kommt eine größere Trauergemeinde aus Nachbarn, Kollegen und Kolleginnen und anderen Menschen, denen der oder die Verstorbene etwas bedeutet hat. Sie zeigen den Angehörigen, dass sie in ihrer Trauer nicht alleine sind.

Die christliche Beisetzung folgt in der Regel einem festen Ablauf mit klarer Symbolik. Sie vermittelt den Trauernden Sicherheit und stellt den Verstorbenen in die Reihe und Tradition vieler Generationen, die im Glauben an Jesus Christus und in der Hoffnung auf Auferstehung verstorben sind. Bei allem rituellen Charakter bleibt dennoch Raum für die Individualität der/des Verstorbenen, ihre/seine Interessen sowie ihren/seinen Glauben und Vorlieben, die sich in Ansprache, Liedern und Bibelworten, aber auch in persönlichen Beiträgen der Angehörigen äußern.

In der Regel besteht die Bestattung aus zwei Teilen: dem Gottesdienst in der Kirche oder einer Trauerhalle und der eigentlichen Beisetzung am Grab.

Der Gottesdienst

Im Trauergottesdienst sollen Zeit und Gelegenheit sein für Trauer, Stille und Fürbitte. Das Leben der/des Verstorbenen kommt in angemessener Weise zur Sprache. Hier ist Gelegenheit, sich vor Gott an alles Schöne, das man mit der/dem Verstorbenen erlebt hat, zu erinnern und Gott Verletzungen und Ungeklärtes zu klagen. Biblische Texte geben der Klage und der Verlassenheit Raum, sprechen aber auch von der Nähe und Treue Gottes. Eine Ansprache stellt den Bezug zwischen dem vergangenen Leben und der bergenden Liebe Gottes her. Die Verkündigung geschieht im Glauben an die Auferweckung der Toten, der Sterbe- und Todeserfahrungen und Trauer umschließt.

Bei einer Urnenbestattung verabschieden sich die Trauernden in der Aussegnungshalle von dem Sarg. Gelegentlich wird der Sarg in den Boden abgesenkt oder ein Vorhang zugezogen, um den Abschied zu verdeutlichen. Zusammen mit dem Sarg wird nun der Leichnam im Krematorium verbrannt und nach einigen Tagen in der Regel im kleinen Familienkreis auf dem Friedhof beigesetzt.

Musik bei der Beerdigung

Ein Chor,© iStockPhoto / JoseGirarte

Auch wenn es schwer fällt: Musik im Trauergottesdienst tut gut. Musikstücke, die der Verstorbene geliebt hat, lassen Erinnerungen wach werden und lösen Tränen. Oft scheuen Angehörige den Gesang. Doch selbst bei großer Trauer erleichtert das Singen das Herz: Trauernde können in die Worte des Glaubens einstimmen und sich von der Hoffnung von Generationen von Christen mittragen lassen. Manchmal singt auch ein Chor, dem die/der Verstorbene angehört hat, am Grab. Die Sängerinnen und Sänger zeigen damit ihre Verbundenheit mit der/dem Verstorbenen und ihre Hoffnung für die Toten.

Biblische Lesungen

Ein Mensch hält eine aufgeschlagene Bibel in den Händen,© Katharina Bregulla  / pixelio.de

Trauer und Wut, Resignation und Zweifel – es gibt kein Gefühl, das nicht in der Bibel vorkommt. Die Lesungen in der Trauerfeier versuchen die Situation der Trauernden aufzugreifen. Sie spiegeln ihre Ratlosigkeit wider angesichts der Endlichkeit des Menschen und geben ihren Zweifeln Stimme. Aber sie sprechen auch von der Hoffnung, dass Gott den Menschen auch im Tod nicht fallen lässt: „Ob wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. (Römerbrief 14,8)“

Kreuzträger

Ein Mensch hält ein leuchtendes Kreuz in seinen Händen,© iStockphoto / hidesy

An manchen Friedhöfen trägt ein Jugendlicher oder Erwachsener dem Sarg ein Kreuz voran. Das drückt den tiefen christlichen Glauben aus: Jesus Christus ist der/dem Verstorbenen in den Tod voraus gegangen. Er wird ihr/ihm nahe sein und sie/ihn aus dem Tod ins neue Leben rufen.

Absenken des Sarges

Ein offenes Grab,© Britta Tewes  / pixelio.de

Viele fürchten sich davor: der Moment, an dem der Sarg ins Grab gesenkt wird. Trotzdem ist er ein wichtiger Schritt, um loslassen zu können. Hinterher fällt es den Angehörigen meist schwerer, Abschied zu nehmen, wenn der Sarg nicht niedergesenkt wurde. Es bleibt das ungute Gefühl, den Verstorbenen verlassen zu haben.

Der Erdwurf

Eine Schaufel steckt in der Erde,© iStockPhoto / DonNichols

Nichts drückt so sehr die Endlichkeit des Menschen aus wie der dreimalige Erdwurf am Grab. Mit den Worten: „Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub“ wird nüchtern der Verfall des menschlichen Körpers beschrieben und gleichzeitig an die Schöpfungsgeschichte erinnert, in der Gott den Menschen aus Erde formt. Aber gerade diesem vergänglichen Menschen gilt: Jesus Christus wird ihn auferwecken!

Weihwasser

Wassertropfen,© iStockphoto / hidesy

Gerade bei Beerdigungen in katholischen Regionen steht auch bei evangelischen Beerdigungen manchmal ein Weihwasserbehälter neben dem Grab. Evangelische Christen sehen das oftmals mit Befremden. Dennoch hat Weihwasser eine ökumenische Geschichte und darum eine beiden Kirchen gemeinsame Begründung. Fern von jeder Magie will es an das Taufwasser erinnern. Gerade deshalb ist es kein Missgriff, sondern tiefe Frömmigkeit, das Tauferinnerungswasser auch als evangelischer Christ zu verwenden. Damit vergewissern wir uns selbst und im Hinblick auf die Toten der bleibenden Kraft der Taufe, die uns Anteil gibt am Tod und an der Auferstehung Jesu.

Blumen und Kränze

Ein Blumenkranz,© Astrid Götze-Happe  / pixelio.de

Der Brauch, Gräber zu schmücken, ist erst etwa 200 Jahre alt. Der Kranz ist dabei Symbol für die menschliche Vergänglichkeit (die Blumen verwelken) und für die Unvergänglichkeit bei Gott. Er spricht von der Überzeugung: „Der Tod gehört zum Leben. Das Leben hat das letzte Wort. Wir sind geborgen in Gottes Unvergänglichkeit.“ Im 103. Psalm heißt es: „Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blüht wie eine Blume auf dem Feld; wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da, und ihre Stätte kennt sie nicht mehr. Die Gnade aber des HERRN währet von Ewigkeit zu Ewigkeit…“

Kerzen anzünden

Ein Kerzenmeer,© mephys  / pixelio.de

Vielen Menschen ist es ein Trost, am Grab des Verstorbenen ein Licht anzuzünden. Die Gedanken, die sich damit verbinden, sind vielfältig - eine stille Erinnerung, die Hoffnung auf ein Wiedersehen oder die Gewissheit: Jesus Christus hat den Tod überwunden, er bleibt das Licht unseres Lebens, wie es im Johannesevangelium heißt: „„Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. (Joh 8,12)“

Kondolenzbuch

Ein Kondolenzbuch,© Martin Schemm  / pixelio.de

Bei manchen Bestattungen liegt ein Buch aus, in das die Trauergäste ihre Gedanken zu der/dem Verstorbenen und ihre guten Wünsche für die Angehörigen niederschreiben können. Für die nächsten Verwandten kann es später ein Trost sein, zu sehen, wie viele Menschen an dem Todesfall Anteil genommen haben. Das Buch ist auch ein starkes biblisches Symbol der Hoffnung, dass der Name der/des Verstorbenen im „Buch des Lebens“ eingetragen ist: Gott wird sie/ihn wieder ins Leben rufen.

Glockengeläut

Eine Friedhofsglocke,© Katharina Wieland Müller  / pixelio.de

Wenn beim Trauergottesdienst in der Kirche oder beim Weg zum Grab die Glocken geläutet werden, dann ist das zunächst ein Ruf zum Gebet und zur Sammlung und ein Ausdruck des Respekts gegenüber der/dem Verstorbenen. Bei Familien aus Siebenbürgen oder auch Rumänien ist es manchmal der Brauch, dass in der Stunde der Beerdigung auch im Heimatort die Glocken geläutet werden – ein starkes Zeichen des Erinnerns und der Zusammengehörigkeit.

Schwarze Kleider

Zu sehen sind die Hände einer schwarz gekleideten Frau.,© iStockPhoto / Atid Kiattisaksiri

Wer schwarze Kleidung trägt, will sich den Blicken anderer entziehen – so zumindest die ursprüngliche Idee, warum sich Menschen im Angesicht des Todes schwarz kleideten. Bis heute hat dunkle Kleidung die Funktion behalten, dass sie ohne Worte eine Bitte an die Umwelt formuliert: „Ich trauere um einen geliebten Menschen und bin deshalb nicht so wie früher. Oft bin ich traurig, und ich will, dass du das weißt.“ Dies ist im Alltag wichtig, auch wenn der Brauch, während der Trauerzeit schwarz zu tragen, immer mehr aus der Mode kommt. Er markiert einen Schutzbereich.

Am Grab

Bei einer Erdbestattung zieht die Trauergemeinde hinter dem Sarg und dem Pfarrer zum Grab. Dort angekommen, wird der Sarg in das Grab abgelassen. Dieser Moment ist für die Angehörigen sehr schmerzhaft. Erstmals verschwindet der Sarg aus ihrem Blick.

Nach einem stillen Gebet spricht die Pfarrerin/der Pfarrer die Bestattungsformel. Mit den Worten „Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub“, von einem dreimaligen Erdwurf begleitet, wird der Abschied symbolisch vollzogen. Daraufhin verliest die Pfarrerin/der Pfarrer die Botschaft von der Auferstehungshoffnung. Mit dem Vaterunser und dem Segen für die Trauergemeinde schließt der kirchliche Teil am Grab.

Nachrufe und Beileidsbezeugungen

An dieser Stelle können Arbeitgeber, Kollegen oder Freunde die Verstorbenen würdigen. Die Worte am Grab sind besonders sorgfältig zu wählen. Die Stimmung ist aufgeladen mit Emotionen, Erinnerungen und Symbolen. Manchmal ist es besser, die Worte am Grab zurückzuhalten und eine Woche nach der Beerdigung ein paar persönliche Zeilen an die zu schreiben, die jetzt in großer Trauer sind. Es tut gut zu wissen, dass man mit seiner Trauer nicht allein ist.

Nun ist Zeit für jeden Einzelnen, sich persönlich mit einem Erdwurf oder Blumen am Grab zu verabschieden. Dieser Moment ist belastend, denn viele Angehörigen fürchten sich vor dem letzten Schritt ans Grab. Soweit nicht anders gewünscht, kondolieren die Trauergäste den engsten Angehörigen mit einem Händedruck oder einem Wort des Mitgefühls.

Auch wenn manche Angehörige lieber von Beileidsbezeugungen am Grab Abstand nehmen – überwiegend werden die Gesten des Mitgefühls als wohltuend empfunden. In den Umarmungen und freundlichen Worten spüren die Trauernden: Wir sind in unserem Schmerz nicht allein gelassen.


06.05.2014 / Anne Lüters