Trauern

Die Zeit der Trauer

Trauriger Teenager

Trauern schmerzt - und doch muss man sich Zeit dafür nehmen

Bild: iStockPhoto / LeoGrand

Viele Menschen, die den Tod eines Angehörigen erlebt haben, trauern. Trauer ist die normale Reaktion auf einen schweren Verlust. Auch eine Trennung oder der Abschied von Lebensphasen löst Trauer aus.

Wer trauert, tut sinnvolle seelische Arbeit. Sie dient dazu, den einschneidenden, das Leben verändernden Verlust zu bewältigen und sich in der innerlich und äußerlich veränderten Wirklichkeit des eigenen Lebens wieder zurechtfinden zu lernen.

Trauer ist oft mit sehr starken Emotionen verbunden. Schmerz, Wut und Ängste, oft auch Schuldgefühle begleiten den Prozess. Aber auch eine gewisse Gefühllosigkeit kann während der Trauer auftreten.

Susanne Breit-Keßler,© ELKB/Rost

Bild: ELKB/Rost

e-trauer.de

"Verluste gehören zum Leben dazu": Susuanne Breit-Keßler, Ständige Vertreterin des Landesbischofs und Regionalbischöfin von München, über das Thema Trauer

Auf die äußeren Veränderungen im Trauerfall reagieren Betroffene mit den unterschiedlichsten körperlichen und seelischen Veränderungen. Dabei ähneln sich gewisse Erscheinungsformen. Während man traditionell verschiedene Phasen der Trauer unterscheidet, spricht man in den vergangenen Jahren eher von Zielen beziehungsweise Aufgaben, die ein Trauernder zu bewältigen hat.

Jeder trauert anders

Denn die Trauer um einen Verstorbenen verläuft nicht immer gleich, sie ist so individuell wie die Menschen, die trauern, und so unterschiedlich wie die Situationen, in denen der Todesfall eingetreten ist: Ob ein Mensch vor seinem Tod lang gelitten hat oder ganz unerwartet verstorben ist, ob die Beziehung zu dem Verstorbenen sehr eng war oder belastet – all das hat einen Einfluss auf die Art und Intensität des Trauerns.

Auch das Umfeld der Trauernden spielt eine Rolle: Während in manchen ländlichen Gebieten nicht selten die halbe Ortschaft an einem Todesfall Anteil nimmt und in denen ein langsames Abschiednehmen über Aussegnung, Überführung und schließlich Trauerfeier üblicher ist als in der Stadt, ist die Trauer dort weitgehend aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden. Das Sterben wird aus den Familien in Pflegeheime und Krankenhäuser verschoben. Und auch wenn viele Krankenhäuser heute sensibel auf Todesfälle eingehen und den Angehörigen Zeit lassen, sich zu verabschieden, so bleibt der Tod herausgenommen aus dem privaten Umfeld der Trauernden.

Private und öffentliche Trauer

Oft genug wird wie das Sterben auch die Trauer tabuisiert. Von Menschen, die einen nahen Angehörigen verloren haben, wird nach einer kurzen Zeit der Rücksichtnahme erwartet, dass sie wieder genauso „funktionieren“ wie bisher. Hinterbliebenen, die nach Wochen oder Monaten immer noch Zeichen der Trauer zeigen, wird mit Unverständnis begegnet. Auf der anderen Seite gibt es eine ganz neue Art der öffentlichen Trauer im Internet und in sozialen Netzwerken. Erst die Erfahrung damit wird zeigen, welche Rolle diese virtuellen Trauerräume für den individuellen Trauerprozess und in der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Trauer spielen.

„Ich weiß nicht, wie Trauern geht“

Menschen, die plötzlich von Sterben und Tod betroffen sind, fühlen sich manchmal hilflos und wissen nicht, wie sie mit der Situation umgehen sollen. Rituale und Gebräuche, die das Trauern erleichtern, sind vielen nicht mehr geläufig. „Ich weiß doch gar nicht wie Trauern geht“ – spricht vielen Menschen aus dem Herzen.

Gleichzeitig wächst der Wunsch nach Begleitung und Seelsorge. Evangelische Kirche bietet auf vielfältige Weise Unterstützung: durch persönliche Besuche der Pfarrerinnen und Pfarrer, durch Rituale und Gedächtnisorte oder Trauercafés und Trauergruppen, in denen sich Trauernde gegenseitig unterstützen.


27.05.2014 / Anne Lüters
drucken